Erfolgreich ins Berufsleben: Die 5 wichtigsten Schritte für BWL-Absolventen

Vom Hörsaal ins Berufsleben – und jetzt?

Das BWL-Studium gehört seit Jahren zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Jedes Semester schließen Tausende ihr Studium ab – und stehen dann da, irgendwo zwischen Erleichterung und Panik. Die Prüfungen sind vorbei, der Abschluss in der Tasche. Und jetzt?

Genau hier beginnt für viele die eigentliche Herausforderung. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist zwar verlockend, aber auch überwältigend. Soll es direkt ins Controlling gehen? Eine Karriere im Vertrieb? Oder doch lieber ein Trainee-Programm in der Beratung? Und überhaupt: Wie bewirbt man sich richtig, wenn man hauptsächlich Erfahrung im Auswendiglernen von Bilanzierungsregeln hat?

Dieser Artikel zeigt dir die fünf wichtigsten Schritte, die wirklich weiterbringen – praxisnah, realistisch und ohne Marketing-Geschwurbel.

1. Eigene Stärken und Interessen analysieren

Klingt trivial, oder? Ist es aber nicht. Viele Absolventen bewerben sich nach dem Gießkannenprinzip auf alles, was irgendwie nach "BWL" aussieht. Das Ergebnis: 30 Absagen und die wachsende Überzeugung, dass der Abschluss nichts wert ist.

Dabei liegt das Problem woanders. Wer nicht weiß, was er oder sie gut kann und was Spaß macht, wirkt im Bewerbungsgespräch beliebig. Und Beliebigkeit ist der Karrierekiller Nummer eins.

Warum Selbstreflexion so wichtig ist

Stell dir vor, du sitzt im Vorstellungsgespräch und wirst gefragt: "Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?" Wenn deine ehrliche Antwort "Weil ich irgendwo arbeiten muss" wäre, hast du ein Problem. Wer seine Stärken kennt, kann dagegen gezielt argumentieren und findet den Job, der wirklich passt.

So findest du heraus, was in dir steckt:

Mach eine SWOT-Analyse – klingt nach Studium, hilft aber wirklich. Schreib auf, was du gut kannst, wo du noch Schwächen hast, welche Chancen sich bieten und was dich zurückhalten könnte.

Hol dir Feedback von Leuten, die dich kennen. Professoren, Praktikumsbetreuer oder Kommilitonen können dir oft besser sagen, wo du glänzt, als du selbst.

Reflektiere deine Praktika: Welche Aufgaben haben dir Energie gegeben? Wo hast du gute Ergebnisse erzielt, ohne dass es sich nach Arbeit anfühlte?

Ein Beispiel: Wenn du analytisches Arbeiten liebst und Excel-Tabellen dein Puls nicht in Panik versetzen, könnte Controlling oder Unternehmensberatung passen. Bist du eher der Typ, der gerne mit Menschen spricht und Überzeugungsarbeit leistet, ist der Vertrieb oft spannender als gedacht.

2. Berufsfelder und Branchen kennenlernen

Ein BWL-Abschluss ist wie ein Schweizer Taschenmesser – vielseitig einsetzbar, aber man muss wissen, welches Werkzeug man gerade braucht. Die schlechte Nachricht: Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten. Die gute Nachricht: Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten.

Typische Karrierewege für BWLer:

Marketing: Markenaufbau, Marktforschung, Social Media. Hier geht's um Kreativität gepaart mit Datenanalyse.

Vertrieb & Sales: Kundenakquise, Key Account Management, Business Development. Für alle, die gerne überzeugen und verhandeln.

Controlling & Finance: Budgetplanung, Unternehmenssteuerung, Reporting. Der Klassiker für Zahlenfreunde.

Personalwesen (HR): Recruiting, Personalentwicklung, Arbeitsrecht. Menschen und Organisation im Fokus.

Consulting: Strategieberatung, Prozessoptimierung, Digitalisierung. Abwechslungsreich, anspruchsvoll, oft stressig.

Was gerade wichtig wird

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Data Analytics verändern die Arbeitswelt massiv. Wer sich hier auskennt – auch nur ein bisschen – hat einen Vorteil. Das gilt branchenübergreifend, vom Mittelständler bis zum Konzern.

So recherchierst du clever:

Geh auf Karrieremessen deiner Hochschule. Klingt oldschool, funktioniert aber immer noch.

Nutz LinkedIn oder StepStone, um Stellenprofile zu vergleichen. Was wird verlangt? Was klingt spannend?

Sprich mit Alumni oder älteren Kommilitonen. Frag sie ehrlich: Wie ist der Job wirklich? Was hätten sie sich gewünscht zu wissen, bevor sie angefangen haben?

3. Bewerbung professionell vorbereiten

Eine gute Bewerbung ist kein Hexenwerk – aber erstaunlich viele BWL-Absolventen scheitern an vermeidbaren Fehlern. Rechtschreibfehler, Standardfloskeln, lieblose Anschreiben. Das ist frustrierend, weil die Konkurrenz groß ist und Personaler oft nur Sekunden pro Bewerbung haben.

Der Lebenslauf: Dein Aushängeschild

Maximal zwei Seiten, klar strukturiert und übersichtlich. Niemand will deine komplette Lebensgeschichte lesen.

Hebe relevante Praktika, Nebenjobs und Auslandserfahrungen hervor. Nicht alles ist gleich wichtig.

Belege Soft Skills durch konkrete Beispiele: Statt "teamfähig" schreib lieber, dass du ein Projekt mit vier Kommilitonen organisiert hast.

Das Anschreiben: Bitte kein Copy-Paste

Jedes Anschreiben sollte individuell sein. Ja, das kostet Zeit. Aber es lohnt sich.

Zeig echte Motivation: Warum genau dieses Unternehmen? Was reizt dich an dieser Stelle? Wenn du darauf keine Antwort hast, überleg dir, ob die Bewerbung Sinn macht.

Formuliere knapp und präzise. Floskeln wie "hiermit bewerbe ich mich mit großem Interesse" kannst du dir sparen. Steig direkt ein.

Online-Profile nicht vergessen

Recruiter checken fast immer dein LinkedIn- oder Xing-Profil. Stell sicher, dass es aktuell ist und dein berufliches Ziel klar erkennbar wird. Ein halbfertiges Profil ohne Foto und mit drei Zeilen Text wirkt unprofessionell.

Bewerbungsstrategien, die funktionieren:

Nutz klassische Jobportale wie Indeed, StepStone oder die Karriereseiten der Unternehmen direkt.

Trau dich an Initiativbewerbungen – gerade im Mittelstand klappt das überraschend oft.

Headhunter und Personalberater können ebenfalls Türen öffnen, vor allem für spezialisierte Positionen.

Ein Tipp zum Schluss: Lass deine Unterlagen von jemandem gegenlesen. Oft fallen kleinen Fehler auf, die du selbst nach dem zehnten Mal Korrekturlesen immer noch übersiehst.

4. Berufserfahrung sammeln: Praktika, Werkstudentenjobs, Trainee-Programme

Noten sind wichtig – aber ehrlich gesagt nicht so wichtig, wie viele denken. Arbeitgeber wollen sehen, dass du deine Kenntnisse praktisch anwenden kannst. Dass du weißt, wie ein normaler Arbeitstag aussieht. Dass du Deadlines einhalten, im Team arbeiten und mit Rückschlägen umgehen kannst.

Praktika & Werkstudentenjobs: Mehr als Kaffee kochen

Klar, am Anfang macht man oft die ungeliebten Aufgaben. Aber selbst wenn du Excel-Listen pflegst oder Präsentationen formatierst, lernst du dabei Strukturen, Prozesse und Arbeitsweisen kennen. Du siehst, wie Entscheidungen getroffen werden – oder eben nicht.

Und: Praktika sind oft die beste Möglichkeit, um herauszufinden, was dir nicht gefällt. Das ist genauso wertvoll.

Trainee-Programme: Der strukturierte Einstieg

Viele große Unternehmen bieten Programme an, die 12 bis 24 Monate dauern. Als Trainee durchläufst du verschiedene Abteilungen, knüpfst Kontakte und wirst gezielt auf Fach- oder Führungspositionen vorbereitet. Der Vorteil: Du bekommst einen Rundum-Einblick und musst dich nicht sofort festlegen.

Direkteinstieg: Geht auch

Wer schon während des Studiums viel Praxiserfahrung gesammelt hat, kann auch direkt in eine Fachposition starten – zum Beispiel als Junior Controller, Sales Trainee oder Marketing Assistant. Das spart Zeit und du verdienst von Anfang an ein volles Gehalt.

Typische Einstiegspositionen für BWLer:

  • Junior Controller (Finance)

  • Sales Trainee (Vertrieb)

  • Marketing Assistant (Kommunikation)

  • HR Associate (Personalwesen)

Ein wichtiger Tipp: Bewirb dich frühzeitig. Viele Trainee-Programme haben lange Vorlaufzeiten und nehmen Bewerbungen schon ein Jahr vor Studienende entgegen. Wer zu spät dran ist, muss ein Jahr warten – oder Plan B aktivieren.

5. Netzwerken & kontinuierliche Weiterbildung

Der Berufseinstieg endet nicht mit der ersten Stelle. Im Gegenteil: Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an. Wer langfristig erfolgreich sein will, sollte zwei Dinge fest im Blick behalten – Netzwerke und Weiterbildung.

Netzwerken: Unterschätzter Karriere-Booster

Kontakte zu Professoren, ehemaligen Kommilitonen und Praktikumsunternehmen sind Gold wert. Viele Jobs werden besetzt, bevor sie überhaupt öffentlich ausgeschrieben werden. Ein gut gepflegtes Netzwerk eröffnet Chancen, von denen du sonst nie erfahren hättest.

Alumni-Gruppen, LinkedIn oder Fachverbände bieten Möglichkeiten, Kontakte zu pflegen. Und nein, Netzwerken bedeutet nicht, wildfremde Menschen auf LinkedIn anzuschreiben und nach einem Job zu fragen. Es geht darum, echte Beziehungen aufzubauen – durch gemeinsame Interessen, ehrliches Interesse oder einfach gute Gespräche.

Kontinuierliche Weiterbildung: Nie stehen bleiben

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Was heute gefragt ist, kann in fünf Jahren überholt sein. Wer sich weiterbildet, bleibt attraktiv für Arbeitgeber – und hat mehr Optionen.

Zertifikate in Projektmanagement (z. B. PRINCE2, Scrum) oder Controlling (z. B. IHK-Lehrgänge) machen dich sichtbarer.

Sprachkurse oder IT-Kenntnisse (Excel auf fortgeschrittenem Level, Power BI, SQL) sind oft entscheidend.

Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz gewinnen in fast allen Branchen an Bedeutung. Wer hier Grundkenntnisse mitbringt, hat einen klaren Vorteil.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Absolvent startet als Junior Controller, bildet sich parallel in Data Analytics fort und steigt nach wenigen Jahren in eine Spezialistenrolle mit deutlich höherem Gehalt auf. Nicht, weil er besonders talentiert war – sondern weil er sich gezielt weiterentwickelt hat.

Fazit: Der erste Schritt ist der wichtigste

Der Berufseinstieg nach dem BWL-Studium kann sich anfühlen wie ein Sprung ins kalte Wasser. Aber mit der richtigen Vorbereitung wird er planbar – und machbar.

Die fünf wichtigsten Schritte noch einmal im Überblick:

Eigene Stärken kennen – und selbstbewusst kommunizieren.

Berufsfelder recherchieren – und die passende Branche finden.

Bewerbungsunterlagen professionell vorbereiten – individuell statt Standard.

Praktische Erfahrungen sammeln – durch Praktika, Nebenjobs oder Trainee-Programme.

Netzwerken und Weiterbildung ernst nehmen – der Schlüssel für langfristigen Erfolg.

Wer diese Schritte beherzigt, legt nicht nur einen erfolgreichen Start hin, sondern baut auch die Grundlage für eine nachhaltige Karriere. Und das Beste: Du musst nicht perfekt sein. Du musst nur anfangen.

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