Prüfungsangst besiegen: Die besten Methoden und Soforthilfen

Wenn der Kopf plötzlich leer ist

Du sitzt in der Klausur. Der Stift liegt in deiner Hand. Doch statt der Antworten, die du vor zwei Stunden noch wusstest, siehst du nur weiße Seiten. Deine Hände zittern, dein Herz hämmert gegen die Brust, und dieser Kloß im Hals wird immer größer.

Kennst du das? Dann bist du definitiv nicht allein. Fast jeder zweite Studierende durchlebt regelmäßig genau diese Situation. Prüfungsangst betrifft schätzungsweise bis zu 40 % aller Studierenden – und sie kann verdammt anstrengend sein. Nicht nur in der Prüfung selbst, sondern auch in den Wochen davor, wenn die Angst schon beim Gedanken an den Termin losgeht.

Die gute Nachricht? Du musst dich damit nicht abfinden. Es gibt konkrete Wege, mit Prüfungsangst umzugehen – und genau die schauen wir uns jetzt an.

Was passiert eigentlich bei Prüfungsangst?

Prüfungsangst ist eine Form von Leistungsangst. Sie zeigt sich nicht nur in deinem Kopf, sondern erfasst deinen ganzen Körper und dein Verhalten. Meistens äußert sie sich auf drei verschiedenen Ebenen:

Körperlich: Dein Puls rast, du schwitzt, obwohl der Raum eigentlich kühl ist, vielleicht wird dir sogar übel. Dein Körper schaltet in den Alarmzustand – als würdest du vor einem Raubtier stehen, nicht vor einem Klausurbogen.

Gedanklich: Der berühmte Blackout. Plötzlich weißt du nichts mehr. Stattdessen kreisen Gedanken wie „Das schaffe ich nie" oder „Alle anderen sind besser vorbereitet" in deinem Kopf. Selbstzweifel übernehmen die Kontrolle.

Verhaltensebene: Manche Studierende meiden Prüfungssituationen komplett, schieben das Lernen immer weiter auf oder finden plötzlich tausend andere Dinge, die "dringender" erledigt werden müssen als die Vorbereitung.

Und eins ist wichtig zu verstehen: Prüfungsangst hat nichts mit Faulheit zu tun. Sie ist eine echte psychische Belastung, die du ernst nehmen darfst – und solltest.

Warum kriegen wir überhaupt Prüfungsangst?

Die Gründe sind oft eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren davon wieder:

Perfektionismus: Du setzt dich selbst unter Druck, immer Bestleistungen abzuliefern. Alles unter "sehr gut" fühlt sich wie Versagen an. Das Problem? Dieser selbst auferlegte Druck verstärkt die Angst noch zusätzlich.

Mangelnde Vorbereitung: Seien wir ehrlich – wer erst drei Tage vor der Klausur anfängt zu lernen, macht sich automatisch mehr Stress. Die Zeit wird knapp, der Stoff fühlt sich überwältigend an, und die Panik wächst.

Schlechte Erfahrungen: Eine verpatzte Prüfung in der Vergangenheit, ein totaler Blackout bei der mündlichen Prüfung – solche Erlebnisse brennen sich ein. Und beim nächsten Mal kommt die Angst schon viel früher.

Der Vergleich mit anderen: Du schaust in die Lerngruppe und denkst: "Die haben alle schon mehr gemacht als ich." Dieser ständige Vergleich setzt dich unter Druck, auch wenn er oft gar nicht der Realität entspricht.

Die Ursachen sind individuell – deshalb brauchst du auch Strategien, die zu dir passen.

Langfristig gegen Prüfungsangst: Was wirklich hilft

Vorbereitung ist die halbe Miete

Klingt simpel, ist aber der wichtigste Punkt: Eine gute Vorbereitung nimmt dir viel von der Angst. Wenn du weißt, dass du den Stoff draufhast, gehst du automatisch selbstbewusster in die Prüfung.

Was konkret hilft: Erstelle dir einen realistischen Lernplan mit klaren Etappen. Nicht "Ich lerne drei Wochen lang jeden Tag acht Stunden" – das hält niemand durch. Sondern eher: "Diese Woche schaffe ich Kapitel 1 bis 3, nächste Woche wiederhole ich und bearbeite Altklausuren."

Wiederhole regelmäßig statt alles auf einmal reinzustopfen. Bulimie-Lernen mag kurzfristig funktionieren, aber das Wissen ist nach der Prüfung sofort wieder weg – und die Angst vor der nächsten Klausur bleibt.

Und nutze Lernmethoden, die zu dir passen. Manche schwören auf Karteikarten, andere auf Mindmaps oder Lernvideos. Probiere aus, was bei dir funktioniert.

Dein Kopf als Verbündeter: Mentales Training

Stell dir vor, du gehst die Prüfung im Kopf schon mal durch – aber nicht als Horror-Szenario, sondern als Erfolgsgeschichte. Du visualisierst, wie du ruhig in den Raum gehst, die Aufgaben liest und eine nach der anderen bearbeitest. Solche mentalen Übungen können tatsächlich helfen, die reale Situation entspannter zu erleben.

Wenn negative Gedanken auftauchen – und das werden sie – übe den „Gedankenstopp". Das funktioniert so: Sobald du merkst, dass du in eine Negativ-Spirale rutschst ("Ich schaffe das eh nicht"), sagst du innerlich laut „Stopp!" und ersetzt den Gedanken bewusst durch etwas Realistischeres: „Ich bin gut vorbereitet und gebe mein Bestes."

Entwickle auch eine kleine Routine vor Prüfungen, die dir Sicherheit gibt. Das kann ein bestimmtes Frühstück sein, ein Spaziergang oder das Hören deines Lieblingssongs. Rituale geben Struktur und beruhigen.

Entspannungsverfahren für den Alltag

Progressive Muskelentspannung (PMR): Du spannst nacheinander verschiedene Muskelgruppen an und entspannst sie wieder. Das klingt banal, aber es funktioniert. Dein Körper lernt, sich bewusst zu entspannen – und das hilft auch in Stresssituationen.

Atemübungen: Tief in den Bauch atmen, nicht flach in die Brust. Wenn du gestresst bist, atmest du automatisch schneller und flacher – das signalisiert deinem Körper: Gefahr! Bewusstes, tiefes Atmen dreht diesen Mechanismus um.

Meditation oder Yoga: Beide Praktiken stärken langfristig deine innere Ruhe und helfen dir, mit Stress besser umzugehen. Du musst nicht gleich jeden Tag eine Stunde meditieren – auch zehn Minuten am Tag bringen schon etwas.

Unterschätze deinen Körper nicht

Ausreichend Schlaf ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für gutes Lernen. Dein Gehirn braucht die Nachtruhe, um Informationen zu verarbeiten und zu speichern. Wer dauerhaft zu wenig schläft, lernt schlechter und ist anfälliger für Stress.

Bewegung hilft dabei, Stresshormone abzubauen. Du musst keinen Marathon laufen – ein Spaziergang, eine Runde Joggen oder ein bisschen Yoga reichen völlig.

Und auch wenn es banal klingt: Achte auf deine Ernährung. Wenn du dich nur von Energy-Drinks und Fast Food ernährst, wird dein Körper irgendwann rebellieren. Eine halbwegs ausgewogene Ernährung stabilisiert deinen Energiehaushalt und hilft dir, konzentriert zu bleiben.

Soforthilfe direkt vor der Prüfung

Manchmal kommt die Panik trotz aller Vorbereitung. Für diese Momente brauchst du Techniken, die schnell wirken.

Die 4-4-6-Atemtechnik

Atme vier Sekunden lang tief durch die Nase ein. Halte die Luft vier Sekunden an. Atme sechs Sekunden lang langsam durch den Mund aus. Wiederhole das drei bis fünf Mal.

Diese Technik verlangsamt deinen Herzschlag und signalisiert deinem Nervensystem: Alles gut, keine Gefahr. Du wirst merken, wie sich dein Körper nach wenigen Atemzügen beruhigt.

Sprich mit dir selbst – aber richtig

Gedanken wie „Ich schaffe das nicht" oder „Ich bin zu dumm dafür" sind Gift. Fang an, bewusst dagegen zu arbeiten. Ersetze sie durch realistische, positive Sätze: „Ich bin gut vorbereitet", „Ich gebe mein Bestes", „Eine Prüfung definiert nicht meinen Wert."

Schreib dir solche Affirmationen vorher auf kleine Zettel und lies sie direkt vor der Prüfung noch einmal durch. Das mag sich anfangs seltsam anfühlen, aber es hilft.

Körpersprache bewusst einsetzen

Deine Körperhaltung beeinflusst deine Gefühle. Wenn du zusammengesunken dasitzt, fühlst du dich auch so. Setz dich stattdessen aufrecht hin, atme tief durch und lächle kurz – auch wenn dir nicht danach ist. Studien zeigen, dass eine selbstbewusste Körperhaltung tatsächlich das innere Erleben verändert.

Realistische Erwartungen setzen

Eine Prüfung ist wichtig, ja. Aber sie entscheidet nicht über dein ganzes Leben. Selbst wenn du durchfällst, gibt es meistens eine zweite Chance. Und selbst eine schlechtere Note bedeutet nicht das Ende der Welt. Klingt banal, aber sich das vor Augen zu führen, nimmt unglaublich viel Druck raus.

Du musst das nicht alleine durchstehen

Prüfungsangst fühlt sich oft sehr einsam an. Aber du bist nicht allein damit – und du musst es auch nicht alleine bewältigen.

Lerngruppen: Mit anderen zusammen zu lernen, nimmt Unsicherheit. Du merkst, dass auch die anderen Fragen haben, dass niemand alles weiß. Das entlastet.

Freunde und Familie: Sprich offen über deine Ängste. Allein das Aussprechen hilft schon. Und oft haben andere wertvolle Tipps oder können dich einfach durch ihre Anwesenheit beruhigen.

Beratungsstellen: Die meisten Hochschulen haben psychologische Beratungsangebote – und zwar kostenlos. Nutze diese Möglichkeit. Die Berater kennen Prüfungsangst aus hunderten Gesprächen und haben konkrete Strategien parat.

Professionelle Hilfe: Wenn die Prüfungsangst so stark ist, dass sie dein Leben massiv einschränkt, scheue dich nicht, professionelle Unterstützung zu suchen. Coaches oder Psychotherapeuten können dir helfen, die Angst langfristig in den Griff zu bekommen.

Apps und digitale Helfer gegen Prüfungsangst

Es gibt mittlerweile einige Apps, die dich im Alltag unterstützen können:

Headspace und Calm: Beide bieten geführte Meditationen und Atemübungen. Perfekt für zwischendurch oder vor dem Schlafengehen.

7Mind: Eine deutsche App mit Fokus auf Stressbewältigung im Studium. Die Übungen sind speziell auf die Bedürfnisse von Studierenden zugeschnitten.

Habitica: Macht aus deinen Lernroutinen ein Spiel. Du sammelst Punkte, levelst deinen Charakter auf und bleibst so motiviert. Klingt albern, funktioniert aber erstaunlich gut.

Der Trick: Baue diese Tools regelmäßig in deinen Alltag ein. Nicht nur kurz vor der Prüfung, sondern dauerhaft. So profitierst du langfristig.

Echte Menschen, echte Erfolge

Lara, Jura-Studentin: „Ich hatte vor jeder mündlichen Prüfung Panikattacken. Dann habe ich angefangen, jeden Abend Progressive Muskelentspannung zu machen und vor Prüfungen die Atemtechnik anzuwenden. Hat nicht von heute auf morgen funktioniert, aber nach ein paar Wochen war es deutlich besser. Heute habe ich zwar immer noch Respekt vor Prüfungen, aber keine Panik mehr."

Tim, BWL-Student: „Mein Problem war, dass ich nie wusste, wo ich anfangen soll. Irgendwann habe ich mir einen richtig detaillierten Lernplan gemacht und mir eine feste Lerngruppe gesucht. Allein zu wissen, dass andere auch lernen und sich vorbereiten, hat mir geholfen. Die Angst ist nicht weg, aber sie kontrolliert mich nicht mehr."

Sophie, Lehramtsstudentin: „Meditation hat mein Leben verändert – klingt dramatisch, ist aber so. Ich meditiere jetzt seit einem Jahr fast täglich zehn Minuten. Meine mündlichen Prüfungen waren früher die Hölle. Heute bin ich zwar aufgeregt, aber nicht mehr gelähmt vor Angst."

Was du jetzt tun kannst

Prüfungsangst ist weit verbreitet, aber sie muss dich nicht dauerhaft begleiten. Mit den richtigen Methoden kannst du Schritt für Schritt lernen, besser damit umzugehen.

Die wichtigsten Punkte noch einmal:

Bereite dich strukturiert vor. Ein guter Lernplan nimmt dir schon viel Angst. Nutze Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation – nicht nur vor der Prüfung, sondern regelmäßig. Arbeite an deinem Mindset. Negative Gedanken lassen sich durch positive, realistische Selbstgespräche ersetzen. Hol dir Unterstützung. Lerngruppen, Freunde, Familie oder Beratungsstellen – du musst das nicht alleine schaffen. Probiere digitale Tools aus, die dich im Alltag begleiten.

Und denk daran: Prüfungsangst ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil – sie zeigt, dass dir deine Ziele wichtig sind. Mit den richtigen Werkzeugen kannst du lernen, mit ihr umzugehen und gestärkt aus Prüfungssituationen hervorzugehen.




Du möchtest deine Prüfungsangst dauerhaft in den Griff bekommen und deine Lernstrategien optimieren?

Im Mentoring bei www.studien-fuchs.de unterstützen wir dich mit erprobten Methoden gegen Prüfungsstress, praxisnahen Lerntechniken und individueller Betreuung für eine entspannte und erfolgreiche Prüfungsphase.

➡️ Mehr Infos findest du hier: www.studien-fuchs.de

Zurück
Zurück

Work-Life-Balance im Studium: Wie geht gesunde Selbstorganisation?

Weiter
Weiter

Marketing, Sales, Vertrieb – Berufsbilder und Einstieg für BWLer